Welche Bedeutung hat das Zeichen des Jona

Von Neil Earle

Nach all der Freude über die Auferstehung, der besten Nachricht, die wir je hören können – Jesus hat den Tod durch seine glorreiche Auferstehung besiegt und damit den Weg für uns bereitet – was hat das Zeichen des Jonas damit zu tun?

Es lohnt sich, sich mit dem Buch Jona zu befassen.

Wir haben alle von Jona gehört, und Jesus hat von ihm gesprochen. Jesus sagte seinen todbringenden Anklägern – den Pharisäern und religiösen Machthabern –, dass das Zeichen für sie seine Auferstehung aus dem Grab nach drei Tagen und Nächten sein würde, solange wie Jona im Bauch des Fisches war (Mt 12,40).

Nordwärts nach Ninive
Beginnen wir mit ein paar Hintergrundinformationen über Jona: Er war ein erfolgreicher Prophet. Sein Dienst war gut gelaufen. In der blühenden Regierungszeit von König Jerobeam II. (ca. 782-753 v. Chr.) hatte Gott Jona den erfreulichen Auftrag gegeben, die gute Nachricht zu verkünden, dass Israel seine Grenzen erweitern würde (2. Kön 14,23-25). Jona stammte aus Gat-Hefer, einer Stadt in dem Gebiet, das später als „Galiläa“ bekannt wurde, und war überglücklich, denn vielleicht würde diese Erweiterung eine Pufferzone zwischen Israel und den gefürchteten Assyrern im Norden schaffen.

Die Assyrer – das war eine Bedrohung, mit dem man rechnen musste.

Diese furchterregenden Praktiker der Kriegskunst waren in dem Gebiet ansässig, das wir heute Irak nennen – es gibt dort immer noch eine Provinz Ninive, die gelegentlich in den Abendnachrichten auftaucht. Im vorigen Jahrhundert hatten sie Israel überfallen. Assyriens König Salmanassar III. (858-824 v. Chr.) hatte um 841 v. Chr. Tribut erhalten, und Adad-nirari hämmerte 804 an die Tore von Damaskus (Lasor, Hubbard und Bush, Old Testament Survey, [Überblick über das Alte Testament] Seite 207). Die schnellen Legionen Assyriens waren zu Jonas Zeiten die meistgefürchtete militärische Macht, und Ninive war die Hauptstadt Assyriens!

Einige assyrische Könige verfolgten eine Politik des kalkulierten Terrors. Der assyrische König Assur-nasir-apli II (883-859 v. Chr.) beschrieb seine Taktik auf einem steinernen Denkmal: „Ich stürmte die Berggipfel und nahm sie ein... Mit ihrem Blut färbte ich die Berge rot wie Wolle... Die Köpfe ihrer Krieger schlug ich ab und formte sie zu einer Säule vor ihrer Stadt, ihre jungen Männer und ihre Jungfrauen verbrannte ich im Feuer“ (Finegan, Light from the Ancient Past [Licht der frühen Vergangenheit], S. 202-203). Diese Krieger waren die meistgefürchteten ihrer Zeit.

Der Flug der Taube (Jonas Flucht)
Was verlangte Gott von Jona zu tun?

„Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen“ (Jona 1,1-2). Zu diesen Menschen predigen? Unmöglich! Unvorstellbar! Jona wusste sehr wohl, wie gewalttätig Ninive war (Jona 3,8). Dieser Auftrag war für Jona einfach zu viel. „Bloß das nicht, HERR, schick mich lieber nach Nordkorea“, könnte man ihn heute sagen hören.

Der Name Jona bedeutet „Taube“, und nun floh er vor Gottes Weisung. „Nicht mich, HERR – such dir einen anderen!“

In gefährlichen Situationen, so sagen uns die Psychologen, reagieren wir entweder mit „Kampf“ oder „Flucht“. Jona entschied sich für die Flucht. „Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN“ (Jona 1,3).

Was für eine seltsame Wendung der Ereignisse. Ein Prophet, der versucht, der Gegenwart Gottes zu entkommen, indem er das Gebiet Israels verlässt! Jona scheint eine recht begrenzte Vorstellung von Gott gehabt zu haben. Ob aus panischer Angst vor den Assyrern oder weil seine bequeme Annahme, dass Gott nur Israel liebte, erschüttert wurde – er machte sich auf den Weg nach Tarsis, vielleicht nach Spanien im westlichen Mittelmeer. Aber er sollte lernen, dass Gott viel größer war als das Mittelmeer, viel größer, als er – ein anerkannter Prophet Gottes – gedacht hatte.

Assyrien: Ein Volk Gottes
Ninive zur Zeit des Propheten Jonas ist ein Beispiel für das einzige Volk, das wirklich umkehrte und sich Gott zuwandte – zumindest vorübergehend. Ein solcher Eifer war typisch. Historiker wie Karl Moore und David Lewis haben die kaufmännischen Fähigkeiten und bahnbrechenden Innovationen der alten Assyrer im gesamten Nahen Osten und Kleinasien dokumentiert. Der Schreiber des Buches Jesaja hatte ein prophetisches und freundliches Wort für die Assyrer von Gott, indem er sie als Segen und „das Werk meiner Hände“ bezeichnete (Jes 19,25). Und so behaupten ihre Nachkommen heute, zu den ersten Völkern zu gehören, die das Evangelium empfangen haben.

Philip Jenkins, Autor des Buches The Lost History of Christianity [Die verlorene Geschichte des Christentums] berichtet, dass sich diese Vorhersage durch die rasche Bekehrung der Nachkommen Assyriens zum Evangelium teilweise erfüllt hat. Sie lebten vor allem in Nordirak und entlang der türkisch-syrischen Grenzregion, der alten Seidenstraße, und einer ihrer Könige nahm im Jahr 200 n. Chr. das Christentum an – die erste christliche Nation entstand. Laut Jenkins befindet sich das Oberhaupt der seit langem existierenden Heiligen apostolischen katholisch-assyrischen Kirche des Ostens heute in Chicago (Seite 24). Sie ist auch als Kirche des Ostens oder Persische Kirche bekannt, und ihre Nachkommen setzen die Mission heute aktiv fort. Danken Sie Gott für das Überleben Assyriens heute!

Jona sollte erfahren, dass Gottes Plan nicht an den Grenzen Israels Halt machte. Er würde mit der unangenehmen Tatsache konfrontiert werden, dass dieser Gott, dem er diente, alle Menschen liebte – sogar die gefürchteten Assyrer. Die Handlung geht weiter: „Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen“ (Jona 1,4).

Wo war Jona während dieses Sturms? Unglaublicherweise war er im Laderaum des Schiffes und schlief fest (Verse 5-6). Hatte er sich vielleicht in der Fötushaltung zusammengerollt, ein sicheres Zeichen für großen emotionalen Stress? Vielleicht waren es Angst und Abscheu gegenüber den Heiden oder vielleicht war es der psychische Schock einer zerbrochenen Weltanschauung, jedenfalls... er hatte eindeutig keinen Bezug zur Realität.

Vielleicht trieb ihn sein Selbstgespräch in den Wahnsinn. „Ist Israel nicht Gottes Volk, ein besonderer Schatz vor allen anderen Völkern (2. Mose 19,5)? Warum schickt Gott mich nach Ninive? Kann Gottes Liebe zu den Menschen über die Grenzen Israels hinausgehen?“

Ja, das war durchaus möglich. Und tief in seinem Inneren ahnte Jona vielleicht, dass dies der Fall war (Jona 4,2-3). Jona hatte die Geschichte seines Landes falsch verstanden. Gott hatte Israel dazu berufen, „ein Königreich von Priestern“ zu sein (2. Mose 19,6). Ihr Gründungsvater Abraham war mit einer internationalen Mission der Barmherzigkeit beauftragt worden – „in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter (Völker) auf Erden“ (1. Mose 12,3).

Den Anschluss verpasst!
Jona wurde also herausgefordert, sein Denken zu erweitern, andere Völker einzubeziehen, statt sie auszugrenzen; großzügig und nicht frömmlerisch selbstzufrieden zu sein; mitfühlend zu sein statt engstirnig auf andere herabblickend.

Jona mag dies alles intellektuell verstanden haben. Aber nicht gefühlsmäßig. Er mag zwar auf einem Schiff gewesen sein, ist aber gedanklich an Land geblieben. Er ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um die Schwere des Sturms zu erkennen. Die Matrosen wissen, dass sie zu ertrinken drohen! Sie sind entsetzt und haben „etwas Religiöses getan“ – sie haben ihre Götter angerufen, was in der Not immer eine weise Vorgehensweise ist (Ps 107, 23-37). „Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Ob vielleicht dieser Gott an uns gedenken will, dass wir nicht verderben“ (Jona 1,6).

Aber nein. Jona stellt sich stur. Als Schuldiger entlarvt, brüstet er sich selbstgerecht. „Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat“ (Jona 1,9). Das ist eine große Ironie. Die heidnischen Seeleute hätten durchaus fragen können: „Wenn dein Gott das Meer geschaffen hat, warum glaubst du, du könntest ihm in einem Schiff entkommen?“

Ja – eine logische Frage. Aber Jona denkt nicht logisch. Das tun wir in Zeiten großer geistiger und emotionaler Aufruhr auch nicht. Jona platzt heraus: (V. 12). Unglaublich, aber die heidnischen Seeleute weigern sich. Sie haben mehr Respekt vor dem menschlichen Leben als der sogenannte Mann Gottes. Was für eine Szene!

Schließlich werden sie durch die Ereignisse zu der Tat gezwungen, aber sie tun es respektvoll, ehrfürchtig und rufen den Namen Gottes an (V. 14). Jetzt schaut nur, wer da religiös geworden ist! Es sind die heidnischen Seeleute. Sie bringen dem Gott Israels sogar Opfer dar (V. 16). Was für potenzielle Bekehrte diese rauen Seeleute hätten sein können! Aber Jona kommt so etwas nicht in den Sinn. Er zieht es vor, sich ins Meer werfen zu lassen, anstatt Gottes Auftrag anzunehmen.

Wir alle wissen, was dann passiert. Gnädigerweise war Gott mit seinem Diener noch nicht fertig. Ein großer Fisch verschluckte Jona, den Mann Gottes. Ein Mann Gottes mit Kopfwissen, aber ohne richtiges Herzwissen.

Aber er war immer noch Gottes Diener, und im Inneren des großen Fisches betete Jona ein wunderbares Gebet der Umkehr (Jona 2,1-9). Beachten Sie die Lektionen hier. Sein „Tod“ im Meer versöhnte die Seeleute mit Gott (Jona 1,15). Seine „Auferstehung“ aus dem Grab – dem Bauch des Fisches – sollte zur Errettung Ninives führen (Jona 3,10). In all dem war der widerspenstige Hebräer ein wundersamer Vorbote des Messias, des ebenfalls aus Galiläa stammenden Jesus Christus (M 12,40). Aber vielleicht wäre Anti-Messias eine bessere Bezeichnung für Jona.

Mythos? Nicht so voreilig!
Heute tun viele die Geschichte von Jona als Mythos ab. Sie scherzen: „Kannst du die Geschichte von Jona im großen Fisch, womöglich einem Wal, schlucken?“

Einer meiner Freunde war der brillante Historiker des Alten Testaments Roland K. Harrison. Er hat mehr als ein Beispiel von Seeleuten zusammengestellt, die von großen Fischen verschluckt wurden und überlebten, um die Geschichte zu erzählen (Introduction to the Old Testament [Einführung in das Alte Testament], Seiten 906-908). Er zeigt auch, wie die Archäologie – die in den 1800er Jahren mit der Ausgrabung der Ruinen von Ninive durch die Briten und Franzosen begann – bestätigt, dass in Ninive mindestens 175.000 Menschen gelebt haben können (Seite 909). Und Douglas K. Stuart (Autor und Professor für das Alte Testament) hat darauf hingewiesen, dass der assyrische Eifer zur Umkehr durch eine Sache beschleunigt worden sein könnte, die die alten Völker sehr fürchteten – eine Sonnenfinsternis. Nach den akribischen Aufzeichnungen der Assyrer fand am 15. Juni 763 v. Chr. eine Sonnenfinsternis statt, also noch zu Lebzeiten des Jona (New Bible Commentary [Neuer Bibel Kommentar], Seite 820-821).

Ja, historische Details sind an sich wichtig, aber nicht so wichtig wie die eigentliche Lektion von Jona – sein „Zeichen“ für uns heute. Die Menschen in Ninive taten Buße. Jemand kam aus dem Inneren eines großen Fisches (wie aus einem Grab) zu ihnen zurück und predigte Umkehr... und sie hörten darauf. Darum ging es Jesus in Matthäus 12 – die Menschen in Ninive taten Buße nach der Predigt des Jona (V. 41), aber seine [Jesu] Verfolger würden es nicht tun, selbst dann nicht, „wenn jemand von den Toten auferstünde“ (Lk 16,31).

Jonas Auferstehung und sein Aufruf zur Umkehr waren ein Zeichen für das, was die jüdische Führung hätte tun sollen – sich Gott zuwenden, weil ein Größerer als Jona da war. Was für ein Zeichen! Welch eine Lektion! Aber was ist mit uns heute?

Unser Ruf zur Mission
In Römer 15,4 heißt es, das Alte Testament sei geschrieben worden, „um uns zu lehren, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben“.

Das Hoffnungsvolle an der Geschichte von Jona ist, dass sie uns in aller Deutlichkeit zeigt, dass Gott in der Tat um die Städte zur Zeit Jonas besorgt war, genauso wie er um die Menschen in unseren Städten heute besorgt ist. Das biblische Zeugnis ist schlüssig. Abraham flehte um das Leben von Sodom (1. Mose 18,23-32). Jeremia forderte seine Landsleute auf, „der Stadt Bestes zu suchen“ (Jer 29,7). Jesus weinte bekanntlich über Jerusalem (Lk 19,41-44), und Jona... nun, Jona musste noch einige Lektionen lernen.

Was für ein großartiges Buch ist doch Jona für uns heute, für uns neutestamentliche Christen, die wir ständig herausgefordert sind, weiter zu wachsen, immer wieder neue Wege in unserer Beziehung zu Gott zu gehen. Das Studium über Jona zeigt, dass wir angesichts der überwältigenden und unergründlichen Liebe Gottes aufrichtig in Demut verharren sollen. Gottes Mission der Barmherzigkeit richtet sich an alle, die es hören wollen – die Assyrer gehörten dazu

Der Drei-Tage-drei-Nächte-Disput
Am Rande sei bemerkt, dass die Formulierung „drei Tage und drei Nächte“ nicht unbedingt dem entspricht, was wir dem wortwörtlichen Sinn nach unter einem Zeitraum von 72 Stunden verstehen. Menschen fragen sich, wie man drei Tage und Nächte in der Zeit von Karfreitag auf Ostersonntag unterbringen kann.

Die Antwort ist, dass die biblische Zeitmessung die Methode des Einschließens verwendet. Königen, die im Januar starben, wurde zum Beispiel das ganze Jahr zugerechnet. Lukas verwendet diese Methode in Apostelgeschichte 27,17-19. Ein Tag – heute, der nächste Tag, dann der dritte Tag – drei Tage, die zusammengerechnet werden. Das ist nicht die Art und Weise, wie wir es heute tun, aber die Bibel ist ja auch nicht in unserer westlichen Kultur entstanden.

Sogar ein gewisses Maß an Abrundung ist erlaubt. So begann Jesus zu predigen, als er „etwa“ dreißig Jahre alt war (Lk 3,23), und andere Zahlen wie „etwa viertausend“ und die in Samuel, den Königen und der Chronik erwähnten Opferzahlen sind offensichtlich gerundete Zahlen (1. Sam 4,2). Daher verwendet das Neue Testament häufiger die Ausdrücke „in drei Tagen“ oder „am dritten Tag“ anstelle der starren 72-Stunden-Frist.

In Wahrheit ist das Zeichen des Jona wichtiger als ein rechnerischer Streit über die antike Chronologie.

Charles van Engen (Professor für biblische Theologie der Mission am Fuller Seminar) fasst mindestens vier Lektionen zusammen, die die alttestamentlichen Propheten „im Missionseinsatz“ für uns heute hinterlassen.

Erstens: So unvollkommen wir auch sind (wie Jona), wir sind Gottes auserwählte Werkzeuge, um die Welt zu erreichen. Vielleicht war Jona so sehr damit beschäftigt, ein Prophet für Israel zu sein, dass er den Zweck der Existenz seines Volkes vergaß – ein Volk von Priestern für die ganze Welt zu sein. Vielleicht hatten ihn die Liturgie und der Gottesdienst seines eigenen Volkes – obwohl die wahre Religion – für die Tatsache blind gemacht, dass Gott das Herz ansieht.

Zweitens entspringt eine wirklich motivierte Mission aus dem großen Herzen Gottes. Das Buch Jona erinnert uns daran, dass Gott tatsächlich „gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte“ ist (Jona 4,2). Die sündigen Assyrer hatten erkannt, dass man Gott eher durch eine Haltung der Reue und des Glaubens als durch religiöse Rituale erreichen kann. Ja, sogar heidnische Seeleute können sich in einer besonderen Situation Gott zuwenden. Ein Missionar bleibt stets achtsam – er weiß nie, wo der gnädige Gott am Werk sein könnte. Ganz am Ende des Buches stellt Gott dem Jona eine zentrale Frage: „Mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt“ (Jona 4,11)? Er sorgt sich auch um unsere Städte heute.

Drittens erinnert uns Jona daran, dass der Daseinszweck der Kirche in der Teilnahme an der Mission Gottes unter den Völkern besteht. Mission und Evangelisation sind der Schlüssel zur Erneuerung der Kirche, so wie es für Jona im Inneren des großen Fisches der Fall war. Im herausfordernden 21. Jahrhundert mit seinen internationalen Vernetzungen möchte Gott, dass wir unseren Horizont erweitern und immer bereit sind, neue, sich uns bietende Möglichkeiten zu ergreifen, wo immer sie sich um uns herum auftun, sei es in unserer Stadt, sei es in unserer Nachbarschaft. Der Schöpfer von allem sehnt sich danach, der Erlöser von allem zu sein (Eph 1,9-10), und er wird mit uns sein, wenn wir uns erneut dem Auftrag widmen, „Menschen aus allen Völkern (panthe ta ethne) zu Jüngern zu machen“ (Mt 28,18-20).

Viertens: Je größer die Hindernisse sind, desto gezielter müssen wir vorgehen. Zahlreiche Studien zeigen, dass das Evangelium am effektivsten durch den persönlichen Kontakt zu Menschen aller Altersstufen getragen wird. Charles Van Engen, der bereits erwähnte Professor am Fuller Seminar, schrieb dazu Folgendes: „Die Welt stellt mehr denn je einen Schmelztiegel von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und Weltanschauungen dar, die Seite an Seite zusammenarbeiten und miteinander leben.“ Auch argumentiert Van Engen, dass immer mehr „die örtliche Gemeinde der Gläubigen der wichtigste Akteur ist, um kulturelle Barrieren zu überwinden und Versöhnung in Christus zu erfahren.“

Wie recht er doch hat. Ihre muslimischen, buddhistischen oder hinduistischen Nachbarn mögen Ihre Ansichten in Frage stellen, aber sie können die Tatsache nicht übersehen, dass Sie sich von den Menschen ihrer Umgebung unterscheiden. Zumindest sollte es so sein. Aus diesem Grund müssen wir uns wieder mit dem Buch Jona vertraut machen. Wie Jona wurde auch Jesus auferweckt. Er ist lebendig. Er ruft uns zur Mission auf. Genau wie Jona können wir, unwürdig wie wir sind, mit Jesu Hilfe erfolgreich sein.


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