Weihnachtsmythen
Von Gavin Henderson

Ahh... Weihnachten. Allein das Wort bringt eine Szene voller funkelnder Lichter, Weihnachtslieder und den süßen Duft von Zimt und Wintergewürzen in Erinnerung. Für manche ist Weihnachten die Zeit der Freude, aber was dem einen Freude bereitet, wird vom anderen nicht immer geschätzt. Die oft unausgesprochene Wahrheit über Weihnachten ist, dass es ein bisschen wie bittere Orangenmarmelade ist – nicht jedermanns Geschmack.

Für die einen bringen die hellen Lichter Hoffnung und Wunder, für die anderen wirken sie billig und kitschig. Für die einen weckt die Jahreszeit schöne Erinnerungen an Zusammenkünfte von Familie und Freunden, für die anderen sind es Erinnerungen an Einsamkeit, Streit und Enttäuschungen.

Wie sollten wir als Christen Weihnachten angehen? Vor allem, wenn wir zu der letztgenannten Gruppe von Menschen gehören, die vielleicht gar nichts für die Weihnachtszeit und ihr Drumherum übrighaben.

Ich bin in einer Familien- und Kirchenkultur aufgewachsen, die Weihnachten ablehnte. Als ich aufwuchs, hörte ich jedes Argument, das es gegen Weihnachten gibt. Dass der 25. Dezember nicht der Tag sei, an dem Jesus geboren wurde. Dass Weihnachten und seine Traditionen heidnische Wurzeln hätten. Dass die materialistische Natur von Weihnachten für alles stehe, was in der Gesellschaft falsch laufe. Jedes Jahr wurde ich auf die Ungenauigkeiten des Krippenspiels hingewiesen. Die stets problematische Frage nach dem „Weihnachtsmann“. Als ich aufwuchs, wurde mir eingeredet, dass ich, um ein wahrer Christ zu sein, Weihnachten ablehnen solle, weil es zwar „Christus“ (engl. Christmas) im Namen trägt, aber das sei auch schon alles, was es ausmache, und es repräsentiere alles, was mit dem modernen Christentum nicht stimme.

Doch als ich älter wurde, begann ich, die Logik hinter einigen der Argumente gegen Weihnachten zu hinterfragen. Schauen wir sie uns der Reihe nach an.

Weihnachten und die Geburt Christi
Einer der Gründe, warum manche Christen Weihnachten ablehnen, ist, dass es keinen biblischen Beweis dafür gibt, dass der 25. Dezember das Datum der Geburt Jesu war. In der Bibel wird kein Datum für dieses Ereignis genannt, und Bibelwissenschaftler bezweifeln sogar, dass der Dezember überhaupt die richtige Jahreszeit gewesen ist.

Oberflächlich betrachtet macht dieses Argument Sinn... bis zu einem gewissen Punkt. Als meine älteste Tochter sieben Jahre alt war, beschloss sie, dass alle ihre Kuscheltiere einen Geburtstag haben sollten. Das Problem war, dass wir uns nicht daran erinnern konnten, wann wir die Spielzeuge bekommen hatten, und technisch gesehen war sogar der Tag, an dem wir die Spielzeuge gekauft hatten, nicht derselbe Tag, an dem sie hergestellt wurden! Letztendlich spielte das aber keine Rolle. Meine Tochter wählte das Datum für den Geburtstag aus, denn für sie war es wichtiger, dass das Spielzeug Geburtstag hatte, als dass das Datum korrekt war.

Mit diesem Ansatz ist sie nicht allein. Manchmal, z. B. bei Adoptionen, ist nicht immer bekannt, wann ein Kind geboren wurde. In diesen Fällen wird ein Geburtsdatum für das Kind gewählt.

Der Grund dafür ist, dass die Person und das Ereignis, das gefeiert wird, wichtiger sind als das Datum des Festes. Das gilt auch für Weihnachten. Die Person (Jesus) und das Ereignis (seine Geburt/Inkarnation) sind wichtiger als das Datum des Festes.

Wir Christen können anerkennen, dass wir das genaue Datum der Geburt Christi nicht kennen –
Die Inkarnation des Gottessohnes – Jesu Menschwerdung für uns – wird für immer eines der bedeutendsten Ereignisse der Geschichte sein.“
aber Jesus und die Bedeutung seiner Geburt sind dennoch etwas, das wir feiern sollten. Die Inkarnation des Gottessohnes – Jesu Menschwerdung für uns – wird für immer eines der bedeutendsten Ereignisse der Geschichte sein.

Weihnachten und seine Traditionen haben heidnische Wurzeln
Im Laufe der Jahre habe ich eine Vielzahl von Theorien gehört, die die Weihnachtstraditionen mit heidnischen Traditionen verbinden. Die prominenteste dieser Ideen ist, dass die Entscheidung, die Menschwerdung Christi am 25. Dezember zu feiern, auf heidnische Feste zurückgehe. Das Problem dabei ist, dass wir keine genauen Aufzeichnungen darüber haben, wann die Christen begannen, Weihnachten zu feiern, obwohl wir wissen, dass es bereits im 4. Jahrhundert üblich war. Das Fehlen von Aufzeichnungen bedeutet, dass es leicht ist, Gründe für das Weihnachtsfest am 25. Dezember zu finden, aber es ist fast unmöglich, eine Theorie als richtig oder falsch zu beweisen.

In der gängigsten dieser Theorien wird Weihnachten mit einem von zwei heidnischen Festen in Verbindung gebracht. Bei der ersten handelt es sich um die „Saturnalien“, ein römisches Fest, das vom 17. bis 23. Dezember stattfand – das offensichtlichste Problem hierbei ist, dass die Daten nicht übereinstimmen. Die andere verbindet Weihnachten mit einem Ereignis namens „Sol Invictus“, einem Fest zu Ehren der „unbesiegbaren Sonne“, das mit dem Kaiser Aurelian in Verbindung gebracht wird (von dem berichtet wird, dass er während seiner Herrschaft Christen verfolgte). Die Verbindung stammt aus einem Dokument aus dem Jahr 336 n. Chr., in dem (in getrennten Einträgen) der 25. Dezember sowohl als Weihnachten als auch als Datum für die Abhaltung von Spielen zu Ehren von „Sol Invictus“ aufgeführt ist. Das Problem bei diesem Dokument ist, dass es nur ein Kalender ist und keine weiteren Informationen enthält. Anhand dieser Aufzeichnungen kann man argumentieren, dass dies nur ein einmaliger Zufall war, oder dass Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wurde, um die Menschen von den „Sol Invictus“-Feierlichkeiten abzulenken, oder dass die „Sol Invictus“-Spiele abgehalten wurden, um die Menschen von Weihnachten abzulenken!

Die Stärke der Argumente, dass Weihnachten und seine Traditionen heidnische Wurzeln haben, ist in erster Linie eine emotionale Angelegenheit. Es gibt keine eindeutigen Beweise dafür, wann die Christen begannen, Weihnachten zu feiern, oder warum der 25. Dezember gewählt wurde – dennoch ist die Vorstellung, dass Weihnachten heidnische Einflüsse haben könnte, für die meisten Christen beunruhigend. Wir Christen glauben, dass es nur einen Gott gibt, und die Vorstellung, dass wir irgendwie versehentlich einen anderen Gott anbeten, ist uns zuwider, aber ist es wirklich das, was an Weihnachten geschieht?

Können wir wirklich behaupten, dass Christen, weil sie am 25. Dezember Gott anbeten, den Gott Saturn oder einen Sonnengott verehren? Ich habe noch nie einen Christen getroffen, der dies für akzeptabel hält. Es ist Jesus, der am Weihnachtstag in den Kirchen gepredigt wird. Wir kennen zwar nicht alle Einzelheiten darüber, wie und wann die Christen begonnen haben, Weihnachten zu feiern, aber wir wissen, was in unseren Herzen ist, wenn wir Gott am Weihnachtstag anbeten – und es ist das, was in unseren Herzen ist, was für Gott zählt.

Weihnachten und Materialismus Interessanterweise wird auch das Gegenteil dieses Arguments als Grund angeführt, warum Christen Weihnachten nicht feiern sollten. D.h. es wird behauptet, dass die Bedeutung von Weihnachten verloren gegangen sei, weil sie vom Kommerz verdrängt wurde.

In den letzten Jahrzehnten ist das Weihnachtsfest immer materialistischer geworden. Die Menschen werden ermutigt, Geld, das sie nicht haben, für Geschenke, Dekoration, Essen und Trinken zu Weihnachten auszugeben. Es ist fast schon normal geworden, dass die Menschen nach der Weihnachtszeit mit Schulden auf ihren Konten dastehen.

Weihnachten ist zu einer Zeit des Überflusses geworden, und die Säkularisierung des Weihnachtsfestes führt dazu, dass die christliche Botschaft immer mehr in den Hintergrund gerät. „Fröhliche Feiertage“ scheint jetzt häufiger auf Karten zu stehen als „Frohe Weihnachten“. Aber wenn der Sinn von Weihnachten verloren geht, so ist dies doch ein Grund, für die wahre Bedeutung von Weihnachten (die Feier von Jesus Christus und seiner Menschwerdung) einzutreten, anstatt Weihnachten zu meiden?

Die Realität ist, dass die Menschen versuchen, ihr Bedürfnis nach Gott zu stillen, indem sie die Lücke in ihrem Leben mit materiellen Gütern füllen. Die Antwort ist in Jesus Christus zu finden.

Der Weihnachtsmann
Was ist mit dem Weihnachtsmann? In vielen Ländern assoziieren heute wahrscheinlich mehr Kinder Weihnachten mit dem Weihnachtsmann als mit Jesus Christus. Der Weihnachtsmann ist zwar eine relativ neue Erfindung, wird aber oft mit dem Heiligen Nikolaus in Verbindung gebracht. Doch unabhängig von den Ursprüngen dieser Geschichte ist es schwer zu übersehen, welchen Schaden der Weihnachtsmann der Weihnachtsbotschaft zugefügt hat.

Kinder werden in dem Glauben erzogen, dass es bei Weihnachten um den Weihnachtsmann und Jesus Christus geht, und dann wird ihnen später gesagt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Ist es da ein Wunder, dass dies auch Fragen über Jesus aufwirft? Oder Fragen zu dem, was unsere Eltern uns erzählen?

Gleichzeitig legt die Mythologie um den Weihnachtsmann nahe, dass es heidnische/fremde Einflüsse sind, die versuchen, das Christentum zu verdrängen, und nicht andersherum. Und als Christen sollten wir doch für die Botschaft des Evangeliums eintreten? Für die Wahrheit, dass Jesus Christus eine reale Person ist! Der für uns geboren wurde, der für uns gelebt hat, der für uns gestorben und dann für uns auferstanden ist! Der jetzt zur Rechten des Vaters sitzt und Fürsprache für uns einlegt!

Die Realität ist, dass Christen über Synkretismus besorgt sein sollten – die Vorstellung, dass Aspekte der aktuellen Kultur unseren Glauben beeinflussen und verwässern. Aber die Antwort ist nicht, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Vor allem, wenn dieses Kind Jesus ist.

Wenn wir uns Sorgen machen, dass es an Weihnachten mehr um Materialismus, um den Weihnachtsmann oder um nichtchristliche Traditionen geht, dann ist die Antwort, dass wir uns für Jesus einsetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Haltung und unser Handeln die Menschen in dieser Zeit eindeutig auf Jesus hinweisen.

Wenn Sie die Weihnachtsbeleuchtung nicht mögen, oder die endlosen Weihnachtslieder, oder Glühwein und Lebkuchen, dann meiden Sie sie. Wenn Sie keinen Weihnachtsbaum haben oder keinen Kranz aufhängen wollen oder nicht glauben, dass der 25. Dezember der Tag ist, an dem Jesus geboren wurde, dann müssen Sie das auch nicht.

Aber was auch immer Sie in dieser Weihnachtszeit tun oder nicht tun – stellen Sie sicher, dass Sie unseren Herrn und Retter Jesus Christus feiern und verkünden. Dass das „Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit wie die des einzigen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Johannes 1,14).

Sorgen Sie dafür, dass Jesus in Ihrem Weihnachtsfest vorkommt.


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