Die Gabe der Gastfreundschaft

Von Bob Regazzoli

Überall auf der Welt müssen viele von uns aufgrund von Covid-19 in ihren Wohnungen bleiben. Wir sehnen uns nach Beziehungen, nach Gemeinschaft mit der Familie und Freunden, den gemeinsamen Essen – nach Gastfreundschaft. Jetzt können wir die Zeit nutzen, um uns darauf vorzubereiten, diese Gabe mit anderen zu teilen.

Als in Australien schlimme Buschbrände wüteten und Menschen ihr Zuhause verloren, haben wir davon gehört, dass sie in die Häuser von Menschen eingeladen wurden, die sie nicht kannten. Das ist die Gabe der Gastfreundschaft – Liebe und Freundlichkeit gegenüber Gästen und Besuchern. Das ist etwas, das viele von uns während dieser anhaltenden Pandemie vermissen.

Ein wiederkehrendes Thema in Gesprächen mit Gemeindemitgliedern im Laufe der Jahre war die Erinnerung daran, dass sie nicht nur in unseren Gottesdiensten willkommen geheißen wurden, sondern dass sie anschließend von einem unserer Mitglieder zu einem Essen eingeladen wurden. Die Gabe der Gastfreundschaft ist für gesunde Gemeinden lebenswichtig.

In diesem Zeitalter, in dem viele Menschen unter Zeitdruck stehen, können wir leicht einen der schönsten und notwendigsten christlichen Bräuche übersehen – gastfreundlich zu sein und diejenigen einzubeziehen, die unsere Gemeinden besuchen oder diejenigen, die ein Interesse am Christentum bekunden. Gastfreundschaft war durch die Jahrhunderte hindurch eine der dominierenden Eigenschaften der christlichen Kirche.

Aus der Zeit seines Dienstes auf der Erde gibt es eine Reihe von Berichten über Jesus, wie er Mahlzeiten mit anderen teilte, entweder indem er das Essen bereitstellte oder die Gastfreundschaft anderer annahm. Erinnern Sie sich an seine Speisung der Menschenmenge mit Broten und Fischen oder daran, dass er nach seiner Auferstehung am Strand das Frühstück für seine Jünger zubereitete (Joh 21,9). Er fragte Zachäus, ob er in sein Haus einkehren könne (Lk 19,5). Er ließ sich von Pharisäern zum Essen einladen (Lk 7,36; 11,37; 14,1). Es ist das fröhliche Zusammensein am gedeckten Tisch mit Speisen und Getränken, die man gemeinsam genießt und das Erzählen von Erlebnissen und Geschichten, wodurch wir einander wirklich kennenlernen und Interesse füreinander zeigen.

Eine der besten Möglichkeiten, Besucher und neue Mitglieder kennenzulernen, ist, sie zum Essen einzuladen, um mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Wir heißen die Menschen nicht nur in der Kirche willkommen – dazu gehört auch ein Gespräch bei einer Tasse Kaffee oder einem Snack im Anschluss an den Gottesdienst –, wir sollten auch anbieten, uns außerhalb der Kirchenmauern zu treffen – in einem Café oder Restaurant oder wir können sie zu uns nach Hause einladen oder man trifft sich zum Picknick oder Grillen in einem Park.

Es ist wichtig, dass wir unser Unbehagen und/oder unsere Ängste beiseiteschieben. Einerseits sollten wir bedacht sein, auf kulturelle Unterschiede zu achten und darauf, was den Bedürfnissen der Gemeindebesucher am besten dient. Andererseits sollten wir nicht zulassen, dass unsere Angst vor dem Unbekannten oder unsere Sorge, Anstoß zu erregen, uns daran hindert, eine Einladung auszusprechen. Wir alle haben unterschiedliche Gaben und Verhaltensweisen, wie wir auf andere zugehen. Beachten Sie die Worte von Petrus: „Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1. Petr 4,9-10).

Die frühe Kirche hatte ein starkes Verlangen nach Gastfreundschaft und Gemeinschaft. Ich frage mich wirklich, ob es nach dieser Pandemie ein starkes Bedürfnis nach Gastfreundschaft und dem Aufbau von Beziehungen geben wird. Genauso wie die frühe Gemeinde hungrig nach gleichgesinnten Beziehungen war, werden sich Menschen, die wochen- oder monatelang in ihren Häusern bleiben mussten, auch nach Gemeinschaft sehnen – unabhängig davon, ob sie verstehen, was sich daraus ergeben kann oder nicht. Was für ein Segen wäre es, wenn dies nach dieser Pandemie von uns gesagt würde: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel [Häusern, Parks, Restaurants und Kirchen] und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“ (Apg 2,46-47).


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