Das Läuten der Glocken
Von Santiago Lange

Vor vielen Jahren stand ein kleines Dorf in Österreich kurz davor, von Napoleons siegreicher Armee eingenommen zu werden. Es war Ostermorgen. Im Morgengrauen schallte das Läuten der Glocken des Dorfes über die Landschaft anlässlich der Feier der Auferstehung Christi. Ein erschrockener Napoleon dachte, die Glocken würden die Ankunft der österreichischen Armee feiern, und so zog er sich in Eile zurück. Statt Napoleon herrschte Frieden im Land. Ein Sieg wurde errungen, ohne dass es überhaupt zum Kampf kam.

In dieser Osterzeit ertönt wieder das Läuten der Glocken und wir feiern die Tatsache, dass Christus auferstanden ist. Keine napoleonische Armee im Anmarsch, die uns bedroht. Wir befinden uns in einem Kampf gegen die Sünde, gegen den Tod und um unser Überleben. Angriffe von außen und innere Konflikte. Kämpfe, bei denen wir oft das Gefühl haben, besiegt zu sein, wie jene treuen und tief bekümmerten Frauen an jenem ersten Ostermorgen. Sie kamen, um den Leib ihres Herrn mit Ölen zu salben. Aber als sie ankamen, war sein Leib nicht da. Und die Engel sagten zu ihnen „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Die Engel hätten auch sagen können: „Warum fühlt ihr euch entmutigt, wo doch Christus den Sieg errungen hat? Habt ihr nicht die Siegesglocken von Ostern gehört?“

Feiern wir freudig den Sieg, den wir in Christus errungen haben, nicht nur in dieser Osterzeit, sondern an jedem Tag unseres Lebens? Oder leben wir immer noch ein Leben der Entmutigung und der Niederlage? Unser Triumph ist anders als jeder andere, den wir auf Erden erleben könnten. Physische Erfolge sind von kurzer Dauer. Die Armee einer Nation kann ein Land erobern und die Kontrolle darüber gewinnen. Aber früher oder später wird dieser Sieg von einer anderen, noch stärkeren Armee zunichte gemacht. Das ist der Lauf der Menschheitsgeschichte. Aber der Gewinn, den Christus für uns errungen hat, ist für immer. Niemand kann diesen Sieg über den Tod wegnehmen. Die Ursache oder der Stachel des Todes ist die Sünde. In Römer 6,23 lesen wir: „Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ Wegen unserer Verfehlungen sind wir der Vergänglichkeit unterworfen. Unsere Sterblichkeit ist Realität. Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit können es nicht zulassen, dass die Sünde ignoriert wird. Und so trug Christus unsere Sünde am Kreuz, wie wir in Jesaja 53,4-5 lesen: „Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Christus besiegte die Macht der Finsternis, die Macht Satans, durch die wir ihr unterworfen waren. Christus hat den Preis dafür bezahlt! Wir brauchen die Zukunft nicht zu fürchten. Der Beweis dafür, dass das Opfer Christi ausreichte, um den Tod zu überwinden, ist seine Auferstehung. Wäre Jesus nicht auferstanden, wäre der Krieg verloren gewesen. Aber der Sieg gehört Christus, und jetzt gehört er auch uns. In dieser Jahreszeit feiern wir unseren Sieg über den Tod und über die Sünde.

Leider sehen viele Menschen den christlichen Glauben als etwas an, das nur für das Leben nach dem Tod wichtig ist. Aber wir können schon JETZT zu einem neuen Leben hier auf der Erde auferweckt werden! Nachdem Christus auferstanden ist, hat er den Heiligen Geist gesandt, um in uns zu wohnen. Er gab allen, die an ihn glauben, ein neues Herz. Er gab uns die Kraft zu überwinden. Die Siege mögen zuweilen klein sein, aber wir werden von einem Grad der Herrlichkeit zum anderen verändert. Ja, wir müssen uns noch mit unseren persönlichen Sünden auseinandersetzen. Aber lasst uns mit Zuversicht auf unser Leben blicken und anerkennen, wie Gott den Sieg über viele Schlachten, seien es Mutlosigkeit, über oder Ängste errungen hat.

2. Korinther 5,17: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, ein Neues ist geworden.“

Um die Auferstehung im nächsten Leben und in diesem Leben zu erleben, müssen wir zuerst sterben. Wir müssen bereit sein, dieses Leben zu verlieren, damit wir das ewige Leben empfangen können. Wir müssen zugeben, dass wir Jesus brauchen. Wir müssen unsere Sünde und unsere Unfähigkeit, etwas dagegen zu tun, zugeben. Nur dann werden wir mit Christus auferweckt werden. Lasst uns also das ewige Leben ergreifen und aufhören, in die Vergangenheit zu schauen und darauf, was wir falsch gemacht haben. Lasst uns stattdessen zum Grab kommen und sehen, dass es leer ist. Es ist leer von der Macht der Sünde und des Todes. Wenn wir auferweckt worden sind, ist auch unser Grab leer. Vorbei sind die Sünden der Vergangenheit und die Macht, die sie über uns haben.

Was wir als Christen ernsthaft suchen müssen, ist keine Vision, die sich auf uns selbst oder auf unsere Leistungen konzentriert. Was wir jetzt mehr als alles andere suchen sollten, ist eine Vision, ein klares Bild von Gottes Sieg, Heiligkeit, Macht und Gnade, wie sie sich in und durch unser Leben manifestiert und ausdrückt, eine Vision, die uns trösten und gleichzeitig motivieren wird, all unsere Talente und Gaben für Gottes Dienst einzusetzen.

Der Sieg gehört uns! Die Glocken läuten. Christus ist auferstanden! Und wir sind mit ihm auferstanden. Wir wünschen Ihnen allen ein frohes Osterfest. Lassen Sie uns weiter füreinander beten, und möge unsere Vision von Christus unsere Gedanken und Herzen weiterhin erfüllen.


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